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„Ich glaube, dass diese Wunde nicht geheilt werden kann.“ – Jüdische Remigranten an der Freien Universität Berlin nach 1945

Niklas Lämmel

Die deutschen Universitäten waren lange ein Hort des Antisemitismus und des Nationalismus. Was sich bis 1933 völkische Studenten und andere Antisemiten erträumten, wurde durch die einzigartige deutsche Verbindung von Volk und Führung im Nationalsozialismus zum Staatsprogramm: Jüdische Studierende und Professoren mussten die Universitäten verlassen, wurden vertrieben, oder in den Vernichtungslagern und den Erschießungsgruben im Osten ermordet. Lebten vor 1933 noch eine halbe Million Juden in Deutschland, waren es nach Gründung der Bundesrepublik nur noch etwa 30.000. Mit gemischten Gefühlen – Skepsis, aber auch Hoffnung – kehrten manche auch an die Universitäten zurück. Die „Wunde“, wie Ernst Fraenkel es einmal ausdrückte, verschwand dadurch aber ebenso wenig, wie Antisemitismus und völkisches Denken aus der deutschen Gesellschaft. Viele ihrer Kollegen an den neuen deutschen Universitäten waren politisch und akademisch in den Nationalsozialismus verstrickt gewesen und setzten ihre Lehre bruchlos fort. Auch die 68er, angetreten um den „Muff von Tausend Jahren“ auszutreiben, interessierten sich selten für die Erfahrungen ihrer jüdischen Professoren und führten in ihrem Israelhass alte antisemitische Muster fort.
Der Vortrag blickt auf die Entwicklung des Antisemitismus an deutschen Hochschulen und stellt die Biographien jüdischer Professoren, die an der FU Berlin gelehrt haben, vor. Peter Szondi, Joseph Wulf, Ernst Fraenkel und Richard Löwenthal überlebten den Nationalsozialismus im Konzentrationslager oder im Exil und kehrten in das Land der Täter zurück. Verfolgung und Widerstand der jüdischen Intellektuellen im Nationalsozialismus werden ebenso thematisiert, wie ihre Erfahrungen mit dem Fortbestehen des Antisemitismus und dem Leben im postnazistischen Deutschland.

Der Referent hat zusammen mit Joel Kohen seit Frühjahr 2017 mehrere Kurzbiographien zu jüdischen Remigranten an der FU Berlin veröffentlicht.

Zeitfenster der Veranstaltung (1)

Mo, 17.10.
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c.t.
deutsch